Leserbilder

 

Mit 14 Jahren (1958) machten mein Freund und ich die erste Radtour von Stuttgart an den Bodensee. Mit dem einfachen 3-Gangrad und viel Gepäck und Zelt brauchten wir 3 Tage bis Konstanz. Kleine Episode: unsere knappe Reisekasse wurde durch einen Schweizer Polizist in Kreuzlingen geschmälert, weil wir eine Stoppstelle überfahren hatten. Er knöpfte uns 2 Franken ab. Wolfgang Norz

 

Letztes Jahr haben wir eine wunderschöne Wanderung um „Seewald“ im Schwarzwald unternommen. Dieses ausstaffierte „Blumenrad“ ist uns auf dem Weg begegnet. Ich finde, dies ist eine gute Idee zur Weiterverwendung eines alten Fahrrads. Wir waren begeistert! Irene-Gabriele Schwarze 

 

Auch ein Fahrrad geht einmal in den wohlverienten Ruhestand ( aufgenommen  im August 2015 in Tetenbüll/Halbinsel Eiderstedt.  Gerhard Oesterle

 

Das Bild stammt vermutlich aus dem Jahr 1960 oder 61. Das Fahrrad hatte 12 Ballonräder und zur Stabilisierung Stützräder. Nachdem diese in späteren Jahren nicht mehr benötigt wurden, sind mit diesem Fahrrad auf den damals noch mit weniger Autoverkehr belasteten Neckarweihinger Strassen Rennen gefahren worden, die so manches aufgeschürfte Knie verursacht haben. Dieses Fahrrad hat noch meinen zwei Schwestern und einigen Cousinen und Cousins gut Dienste geleistet. Manfred Bauer

Dieses Bambusfahrrad haben wir letzten Herbst während unseres Urlaubs in Vietnam im schönen Städtchen Hoi An gesehen. Sabine Kempa

Mein erstes Fahrrad, das auf dem Bild zu sehen ist, habe ich vor 55 Jahren geschenkt bekommen. Die Schutzbleche waren silberfarben und der Rahmen rosa. Ich war mächtig stolz darauf. So konnte ich zu meiner damaligen Ausbildungsstelle bei Foto Baumann fahren. Und durfte, weil ich ja jetzt schneller unterwegs war, noch ein bisschen länger das Frühstück genießen.

 

Bei einer Wanderung im Allgäu an Ostern aufgenommen: ein etwas älteres, zweckentfremdetes Fahrrad,  ein Appell auch an die Fahrradfahrer. Renate Eichert

 

Mein ganz besonderes Fahrrad, ich habe es angemalt und es steht jetzt in meinem Garten.
Beatrix Strobel, Bietigheim

 

Lesergeschichten

Erinnerung an eine Radfahrt

 

1953 unternahm ich als achtzehnjähriger Gymnasiast mit zwei gleichaltrigen Kameraden eine Radfahrt nach Paris. Ich hatte mir 1949 als Konfirmationsgeschenk Geld geben lassen, um beim Benninger Fahrradhändler das damals neueste Herrenfahrrad zu kaufen. Es war ohne Gangschaltung wie das der beiden Kameraden. Ausgerüstet waren wir mit einem Zelt aus amerikanischen Militärbeständen, das zu kaufen war, aber keinen festen Boden hatte. Das bedeutete, da es für uns noch keine Luftmatratzen gab, kalte Nächte auf hartem Gelände irgendwo auf einer Wiese. Als wir schließlich im Elsass waren, bestellten wir mit unserem besten Schulfranzösisch Getränke, wurden aber von der einheimischen elsässischen Wirtin nur fragend angeschaut, bis wir unseren Wunsch auf Deutsch wiederholten. Richtung Paris fuhren wir auf der „Route de la Liberté“  und hörten gelegentlich den Ausruf „Voilà, les Allemands reviennent de nouveau“ („Schaut die Deutschen kommen schon wieder“). Auf der Suche nach einem Platz für unser Zelt wurden wir gelegentlich abgewiesen, aber einmal lud uns ein Franzose sogar in seinen Garten ein.

 

Nach einigen Tagen mühsamer, aber abwechslungsreicher Fahrt mit Zwischenhalt in Reims vor der noch von deutschen Granaten beschädigten Kathedrale kamen wir schließlich am offiziellen Pariser Zeltplatz im Bois de Boulogne an, wo sich ja heute auch das Tennisstadion „Roland Garros“ befindet.  Wir bekamen einen hübschen Platz zugewiesen, nicht weit vom Klo, das aus einem tiefen Loch mit Brettern darüber bestand. Es machte uns trotzdem froh, dass wir gut angekommen waren und schnell internationalen Kontakt aufnehmen konnten. U.a. befand sich da ein französischer Opernsänger, der zur Erholung seiner Stimme da war und uns nur ganz leise Opernarien vorsang.

 

An sich wollten wir Sehenswürdigkeiten in Paris mit Hilfe der Metro besuchen, aber kaum waren wir mit ihr unterwegs gewesen, da wurde sie bestreikt. Also fuhren wir mit unseren Rädern in die Stadt und stellten sie u.a. am Fuß des Eiffelturms oder respektlos am Louvre ab. Die Mona Lisa besichtigten wir in langen Hosen, denn kurze waren damals in Frankreich verpönt. Einmal hatten wir große Probleme mit unseren Rädern. Wie gingen am Fuß des Montmartre ins Kino und schlossen unsere Räder im Hof der Kirche Sacré Coeur an ein Gitter. Als wir spätabends die Räder holen wollten, war die Einzäunung des Hofes geschlossen und kein Hausmeister oder Kirchenhüter zu finden. Jedoch sportlich, wie wir waren, kletterte einer über das Gitter und reichte die Räder herüber, ohne dass uns irgendwer belangte. Unterwegs auf der Fahrt nach Versailles hatte einer von uns vorher zu viel Crêpes gegessen und Cidre getrunken und wegen Durchfall in die Hosen gemacht. Bevor wir den berühmten Spiegelsaal besichtigten, der natürlich jetzt auch für das gemeine Volk zum Besuch frei war, wusch er sich in der Touristentoilette und warf seine Unterhose in die Mülltonne. Unseren besorgten Eltern konnten wir nicht berichten, wie es uns ging, denn auch die Post streikte und unsere Eltern hatten damals sowieso kein Telefon.

 

Zufrieden machten wir uns nach einer Woche Aufenthalt beschwingt auf die Heimfahrt und schafften mit unseren aus heutiger Sicht sehr primitiven Rädern durchaus 100 km am Tag. Unterwegs fanden wir immer wieder einen Bach, wo wir uns erfrischen, rasieren und einmal sogar an einer im Krieg zerstörten Brücke schwimmen konnten. Einsam und allein und natürlich ohne Badehose.

 

Fürs Abitur zu Hause brachte uns der Aufenthalt in Frankreich einen motivierenden Schub im Fach Französisch und für viele spätere bequeme Besuche der französischen Hauptstadt mit zuletzt dem TGV von Stuttgart aus.

 

Unser erstes Fahrrad

„Jedes Kind muss möglichst früh Rad fahren lernen“, meinte mein Vater, und irgendwie schaffte er es 1944 im Sommer des letzten Kriegsjahrs, ein Rad zu ergattern. Aus Angst vor möglicher Konfiszierung hatte es ein Bauer in seiner Scheune unter dem Heu versteckt, ehe es im Tausch gegen einen kleinen Eimer „Wagenschmiere“ den Besitzer wechselte.

Das ziemlich verrostete Damenrad hatte allerdings keine Bereifung, und Vater musste einen Vollgummi – Schlauch auftreiben und auf die Felgen ziehen. Wie bei einer Wurst schrägte er dabei die Enden an, bohrte Löcher hinein und verband sie mit je zwei kräftigen Messingschrauben und – Muttern. Die Stempelbremse vorn und der Rücktritt funktionierten, und mit Vaters Hilfe und einigen Tagen fleißigen Übens konnten meine große Schwester und ich tatsächlich Rad fahren.

Leider verdrehte sich mit der Zeit die „Bereifung“, so dass sie mit jeder Radumdrehung über die Schrauben hoppelte. In Kürze waren die Köpfe völlig abgeschliffen, die Vollgummis lösten sich und sprangen von den Felgen. Ersatz ließ sich in den Kriegstagen zu unserer Enttäuschung nicht mehr beschaffen. Wir radelten noch ein paar Tage auf den blanken Felgen, was ihnen nicht gut tat und was schließlich noch im selben Jahr das Ende unseres ersten Rads bedeutete.

Leider gibt es kein Foto von diesem Vollgummivehikel, denn für unsere AGFA – Box im Format 6×9 gab es zu der Zeit keine Filme mehr. Winfried Hug, Ludwigsburg

 

Der kürzeste Weg nach Stuttgart – mit dem Fahrrad

 Wer mit dem Rad von Ludwigsburg nach Stuttgart fahren möchte, etwa zur Arbeit, nimmt im Osten den Weg nach Aldigen und auf den Neckarradweg und im Osten die Solitudeallee und den Weg durch Stammheim oder Feuerbach. Beide Wege über 20 km. Der kürzeste Weg aber, direkt, ist von der Karlshöhe aus keine fünfzehn km lang. Er geht über den Pragsattel. Das klingt furchtbar und erinnert an den Autoverkehr und die alltäglichen Staus auf den Straßen. Aber so ist es nicht. Der Radweg läuft nicht auf der B27, zu weiten Teilen nicht einmal direkt an ihr, und er ist deshalb gut zu fahren. Und der Anstieg auf den 305 m hohen Pragsattel ist machbar, nicht nur mit einem Pedelec. Dieser direkte Weg, die Fahrradautobahn nach Stuttgart, soll hier beworben werden.

Von der Königinallee geht es in die Bodelschwingstraße, zügig abwärts auf den Golfplatz zu, dann auf den Alten Oßweiler Weg nach Kornwestheim. Zum ersten Male unter der B27 hindurch; an einer Spitzkreuzung weist eine alte Gruhe den Weg nach links entlang des Friedhofs. Am Rande Kornwestheims entlang über Bergstraße und Mühlhäuser Straße zur Auffahrt Kornwestheim-Mitte. Man kann dort gerade über die Kreuzung ein Stück weit in die Auffahrt hineinradeln, und mancher Autofahrer schaut irritiert, ob man etwa auf der vierspurigen Straße weiter will. Aber an der Ampel geht es rechts auf einen Radweg in den Stadtpark. An seinem Ende nach links wieder unter der B27 hindurch zum Schulzentrum, gleich wieder rechts und entlang der B27. Manchmal wird man Zeuge, wie die Geschwindigkeitskontrolle blitzt, die hier auf der Straße steht, manchmal bewegt sich schon hier der Autoverkehr nicht mehr.

Am Ortsausgang Kornwestheim liegt linkerhand in den Feldern, keine 50 m vom Weg entfernt, ein Stück der alten Römerstraße. Sie weist in dieselbe Richtung. Der Radweg geht auf und ab – Vorsicht an den beiden Kreuzungen, die Vorfahrt wird einem Radler meist genommen, vor allem kommt hier Verkehr aus Zazenhausen hoch -, bis man das erste Stuttgart-Panorama sieht. Von hier scheint der Pragsattel nahe, aber man muss noch einmal ins Tal hinunter, nach Zuffenhausen. Spätestens hier auf der Ludwigsburger Straße stehen morgens die Autos im Stau, und in jedem Fahrzeug höchstens ein Fahrgast. Mit dem Fahrrad geht es in Schussfahrt daran vorbei. Wer auf dem Rückweg nach Ludwigsburg eine Pause machen möchte: kurz neben dem Weg liegt eine nette Gaststätte im Grünen.

Unten in Zuffenhausen gibt es gleich hinter dem Friedhof eine kleine Straße nach links, die Marbacher Straße; hier sollte man abbiegen, wenn man nicht auf der Straße durch den Stadtteil fahren will. Vorsicht, an der Ecke wird gerade gebaut. Auf dieser Straße geht es über den Rotweg in den Zuffenhäuser Dorfkern hinein. Die Bäckereien haben morgens schon auf, vielleicht gibt es sogar Zeit für eine Kaffeepause. Manchmal läutet die Johanneskirche, im Sommer auch schon sechs Uhr. Über den Zuffenhäuser Kelterplatz, kurz nach links, und dann rechts in die Hohenloher Straße. Der Weg geht nur ein kurzes Stück leicht bergan, bevor man rechts abbiegt und über die Mockmühler Straße durch ein altes Wohnquartier auf die Krailenshalde gelangt. Hier fährt man zwischen Grün und alten Gärten, weitab vom Verkehr der B27 in Richtung Pragsattel. In Höhe Friedrichswahl fährt man tief unter der Auffahrtsrampe zur B27 hindurch; ein monströses Bauwerk als Erinnerung an eine vergangene Verkehrspolitik. Wenn man nun weiter radelt, am TÜV vorbei, stößt man erst bei Mr. Wash, auf halber Höhe, auf die B27. Und das kurze Stück entlang der Heilbronner Straße auf den Pragsattel ist machbar, auf beiden Seiten recht gute Radwege, allerdings beide im Zwei-Richtungs-Verkehr, aber die meisten Radler fahren auf der jeweils rechten Seite.

Und von oben, hinter der Stadtbahnhaltestelle Pragsattel, hoch über der Straße, bietet sich morgens ein wunderschönes Panorama über Stuttgart und das Neckartal.

Die Serpentinen führen in den Talkessel hinein. Wer nur noch auf ruhigen Wegen im Grünen fahren will, weitab von B10 und B27, nehme links die Brücke und dann den Rosensteinpark und den Schlossgarten. Der Weg ist etwas länger, aber schön. Wer schneller in die Innenstadt möchte, fährt jetzt hinunter zum S-Bahn-Hof und auf der Nordbahnhofstraße weiter. Ein Teil der Strecke ist nur für Fußgänger und Radler geöffnet, es geht also sicher weiter. Am Ende geht es noch einmal abwärts zur Wolframstraße, aber halt: wer durchs Europaviertel zum Hauptbahnhof fahren möchte und vielleicht weiter in die Innenstadt; da führt jetzt ein Weg an der neuen Stadtbahnbrücke direkt ins Europaviertel hinein. Noch ist er nur für Fußgänger freigegeben, aber das ändert sich sicher bald, denn das ist eine tolle Idee für eine zügige Weiterführung der Fahrräder in die Stadt auf eigener Spur.

Ich selbst biege unten links ab, unter den Bahnbrücken durch, keine schöne Strecke. Und nach dem kurzen Schlenker durch den Schlossgarten endet die Fahrt am Neckartor. Sicher einer der schmutzigsten Arbeitsplätze weit und breit. Der Autoverkehr braust auf sechs bis acht Spuren unter der Brücke über die B14. Aber man kommt immerhin durchlüftet und durchblutet und mit gutem Gefühl auf der Arbeit an, während doch mancher Kollege ärgerlich aus der überfüllten S-Bahn steigt oder lange Zeit im Stau gestanden hat.

Daniel O’Sullivan